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20. Kleines Streicherfestival Seligenstadt
von Eva Schumann, Heusenstamm

30.07.2017

Dramatisches Finale
Eindrücke einer fachkundigen Besucherin

Der letzte Abend des Streicherfestivals im Zwanziger-Jubiläumsjahr war in verschiedener Hinsicht ein besonderer. Das Henschel-Quartett widmete sein Konzert SOS-Kinderdorf, als dessen Botschafter sich das Ensemble seit vielen Jahren engagiert. Monika Henschel-Schwind berichtete mit bewegenden Worten von ihrer engen Beziehung zu einem Kinderdorf, ihrer „Familie“ samt der Patentochter. Überzeugender hätte die Werbung zur Unterstützung dieser Organisation kaum sein können. Die warmherzigen Dankesworte der aus München angereisten SOS-Kinderdorf-Vertreterin Bettina Schreiner an das Quartett, die mit mehreren Kollegen angereist war, passten dazu. Zuvor hatte Franz Preuschoff, unermüdlicher Sachwalter des Festivals, die Geschichte von der Entstehung des inzwischen so erfolgreichen Festivals vermittelt. Auch er und sein Team empfingen verdienten Dank.   
Angefangen hatte die diesjährige Dreier-Konzertreihe im Freien, das Finale musste wetterbedingt in die Basilika verlegt werden. Die war schon lange vor dem Anfang proppenvoll. Im Programm schloss sich der Kreis der Beethoven-Schubertiade: das sechste Quartett beendete den Zyklus op. 18 des jungen Beethoven, und das Glanzstück des reifen Schubert, das Oktett, krönte die Kammerkonzertreihe mit Mammutbesetzung.
Dazwischen wieder Webern, diesmal eher rückwärtsgewandt. Der Langsame Satz für Streichquartett aus dem Jahr 1905, „mit bewegtem Ausdruck“, ist eine Liebesmusik des Einundzwanzigjährigen für seine spätere Frau. Das Ensemble agierte hochsensibel, mit Sorgfalt für die klanglichen Feinheiten und Modulationen. Kantilenen schenkt Webern auch den Mittelstimmen, innig ausgeführt von Catalin Desaga und Monika Henschel-Schwind. Das spätromantische Stück, länger als die gewohnten Webern-Miniaturen, konnte das Publikum sichtlich beeindrucken.
Ihr untadelig sicheres, spannendes Zusammenspiel bewiesen die Henschels schon bei Beethovens B-Dur-Streichquartett. Kühne Motivik, Kontraste und Freiheiten, vor allem der letzte Satz „La Malinconia“ mit seiner langsamen Einleitung und den Adagio-Einwürfen, rücken es bereits in die Nähe der späten Quartette. Wahrhaftig „con brio“, mit Schwung und Feuer, packten die Musiker das schwierige Werk an und gönnten ihm doch gebührende Anmut. Zwar hat sich Beethoven in der Kunst vervollkommnet, das Quartett polyphon zu strukturieren, doch stellt er hohe Ansprüche an die erste Geige. Primarius Christoph Henschel meisterte sie virtuos und gestaltete sie transparent; souverän glitt er über rasante Passagen bis in höchste Höhen. Doch ließ jeweils auch die anderen gebührend zu Wort kommen  –  wie bei einem Gespräch gleichberechtigter Personen eben.
Zum Schluss wurde die Verbundenheit von Beethoven und Schubert besonders deutlich: das Oktett ist quasi eine Antwort auf Beethovens Septett. Zugleich diente es Schubert dazu, sich „den Weg zur großen Sinfonie zu bahnen“. Außer dem Kontrabassisten Teja Andresen, der bereits am zweiten Abend beim Forellenquintett mitgewirkt hatte, gesellten sich der Klarinettist Ralph Manno, die Fagottistin Uta Heidemann und der Hornist François Bastian zum Henschel-Quartett. Eine Lust zuzuhören, wie Streicher und Bläser miteinander kommunizierten. Auch die Klarinette, die im Kopfsatz dominierte, nahm sich später zurück. Nach dem Scherzo mit sattem Vollklang konnten sich die Musiker mit ihren solistischen Partien im Variationensatz profilieren; auch die Dialoge u.a. von Bastians Horn und Matthias Beyer- KarlshØjs Violoncello machten die „himmlische Länge“ genussvoll, packend und kurzweilig. Ein Höhepunkt war die
Moll-Variation. Zu einer großen Steigerung stürzte sich das Ensemble dann mit Hingabe ins dramatische Finale mit seinem überraschenden Rückgriff auf dessen ruhige Einleitung.
Danach gab es zu Recht enthusiastischen Applaus.

 

 

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