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Eine Sternstunde
(Quelle: Offenbach-Post)

Mittwoch, 16.09.2015

Eine Sternstunde
Dresdner Kapellsolisten in Seligenstadt
Von Reinhold Gries

SELIGENSTADT ■ Oft gibt es bei Klosterkonzerten in Seligenstadts Einhardbasilika sehr gute Konzerte zu hören. Das jetzige der „Dresdner Kapellsolisten“ unter Leitung von „Echo Klassik“-Preisträger Helmut Branny war mehr: eine Sternstunde der Barockmusik. Branny bot nur Sonderklasse auf: seine über den Wassern schwebende Ehefrau Susanne Branny als Konzertmeisterin, den Fagott-Virtuosen Erik Reike, die Weltklasse-Hornisten Harald Heim und Klaus Gayer und ein Dutzend Auserwählter der „Sächsischen Staatskapelle“. Da wirkte das schön gespielte Concerto grosso F-Dur Arcangelo Corellis fast wie ein Aufwärmprogramm.

     Herrlich das Fagott-Konzert C-Dur Johann Gottlieb Grauns: Selten hört man solch schwerelose Läufe, Sprünge, Tonleitern und Koloraturen wie aus Reikes Fagott. Und welch ein phantastisch gespieltes „Concerto für zwei Hörner und Streicher Es-Dur“ von Georg Philipp Telemann! Ein Parforceritt der Solo-Hornisten Heim und Gayer, die sich zu immer neuen Einfällen anstachelten.
      
    Antonio Vivaldis vier Sätze zu dessen berühmter Programm-Musik „Die vier Jahreszeiten“ stellten freilich alles in den Schatten, fernab oft anzutreffender „Edelunterhaltung“. Mit entwaffnender Selbstverständlichkeit spielte Violinistin Susanne Branny die zahlreichen Höchstschwierigkeiten aus dem Kopf, ließ den „Frühling“ in ebenso wechselweise feiner wie dynamischer Artikulation einziehen wie alles andere. Ihr Ehemann wandelte sich zum dirigierenden Hexenmeister, der mit einfühlsamen wie unorthodox choreographierenden das Letzte aus seinen Musikern herausholte. Absolute Musik boten alle Tutti- und Soloeinsätze, trotzdem nah am Naturbild, in Kontrasten und Übergängen wechselnd zwischen Idylle, eruptiver Energie und fast experimenteller Moderne.

 

 

 

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