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von Eva Schumann

28.06.2019

Geburtstagskinder unter sich
Streicherfestival in Seligenstadt zum 25. Jubiläum des Henschel-Quartetts

SELIGENSTADT ▪ In der kühlen Basilika des Seligenstädter Klosters begann das 21. Streicherfestival zum 25. Jubiläum des Henschel-Quartetts, dem temperaturempfindlichen Flügel zuliebe, der seit Langem erstmals wieder mitwirkte. Denn die Musiker erwiesen der vor 200 Jahren geborenen Clara Schumann und ihrem Mann Reverenz.


Mit Claras drei Romanzen op. 21 eröffnete die japanische Pianistin Emiko Tadenuma das Konzert höchst einfühlsam, dabei kraftvoll Und virtuos, wenn auch mit etwas zuviel Pedalnebel.

 

Auch an Robert Schumanns Klavierquintett hatte Clara Anteil: Das Werk, das diese Gattung erst begründete, war ihr gewidmet, und sie hob es bei der Uraufführung 1843 mit aus der Taufe. Das Henschel-Quartett stürzte sich mit Verve 'in den triumphalen Anfang und fühlte sich flexibel in die Stimmungen der Schumannschen Klangpoesie ein. Sie ließen den Atem stocken beim scharf pointierten Trauermarsch, gefolgt von berückend schöner Klangrede, die sich die Instrumente einander zusangen. Mit wachsen den Anforderungen schien sich das Quartett immer mehr innerlich zu entspannen; im dritten Satz lief es zur wahren Zigeunerkapelle auf. Das Finale wuchs mit der markant dargebrachten Fuge zur grandiosen Steigerung. Das perfekte Zusammenspiel von Pianistin und Streichern funktioniert selbst ohne Blickkontakt. Wie Bratscherin Monika Henschel-Schwind später berichtete, musizieren die Musiker seit fast 30 Jahren miteinander.

 

Vorbildliche Kommunikation erforderte auch das 1. Streichquartett von Leos Janácek, das sich mit dem Titel „Kreutzersonate“ auf Tolstois gleichnamige Novelle bezieht, die wiederum an Beethovens Kreutzersonate anknüpft. Dem' Ensemble gelang es, die Spannung zu halten in einer Musik, durchsetzt von jähen Pausen und dissonanten Aufschreien, einem Gefüge kontrastreicher Emotionen zwischen Liebe, Schmerz, Eifersucht. Der neue Zweite Geiger Gregory Maytan erwies sich als bereits gut integrierter Partner.

 

Die Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys D-Dur Streichquartett op. 44,1 wäre fast vom Wind vereitelt worden. Nachdem Christoph Henschel vergeblich mit Händen und Füßen um seine Notenblätter gekämpft hatte, fand sich auf Bitten seiner Schwester ein „Notenhalter", und kniend half eine weitere Retterin bei der 2. Violine aus. Bewundernswert war, wie das Ensemble trotz dieser Malaise empfindsam, geschmeidig und transparent musizierte.

 

 

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