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OFFENBACH-POST – KULTUR
(Quelle: Offenbach-Post)

19.07.2016

Glanzpunkt der Klosterkonzerte
Bayerisches Kammerorchester mit Geigenvirtuosin Tianwa Yang in Seligenstadt
Von Reinhold Gries

SELIGENSTADT ▪ Wieder hat Dirigent Johannes Moesus mit dem Bayerischen Kammerorchester bei Seligenstadts Klosterkonzerten für einen Glanzpunkt gesorgt. Das lag weniger an eher selten gespielten Stücken als an der Solistin, der aufstrebenden chinesischen Weltklassegeigerin und Echo-Klassik-Preisträgerin Tianwa Yang, in jungen Jahren schon Professorin in Bern.

Michael Haydns „Sinfonie G-Dur Nr.25“ wirkte wie ein Vorspiel. Wer dabei glaubte, Mozart zu hören, lag nicht falsch. Lange lief dessen Nr.444 durchs Verzeichnis von Köchel, der die Sinfonie nach Mozarts Tod zwischen Papieren fand. Perger konnte aber 1907 nachweisen, dass Mozart nur die langsame Introduktion komponiert hatte, die übrigen Sätze schrieb M. Haydn für einen Abt 1783. Nicht nur Mozart hat das illegal kopierte Werk gefallen: Auch das rondoartige Andante mit charakteristischem Fagott-Solo und der tänzerische Finalsatzmachte Laune in der Basilika.

Der Boden war bereitet für den Auftritt von Yang, in technischer Virtuosität und Ausdruck eine der stärksten jungen Geigerinnen weltweit. Erstaunlich, mit wie viel Körperspannung und Bewegung sie ihr Instrument bedient. Zunächst widmete sie sich Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert Nr.1 B-Dur (1775) aus dessen Zeit als fürstbischöflicher Konzertmeister in Salzburg. Streicher, Oboen- und Hörnerpaare stellten sich in den Dienst von Yangs diffiziler Partitur, die sie vor allem in Solokadenzen in einsame Höhen hinauftrug. Eigentlich rahmten Sonatensätze das melodiegeprägte Adagio, in dem Yang für romantische Melancholie sorgte – und glänzende Augen.

Dass sie nicht nur im Mozart-Presto Teufelsgeigerin sein konnte, unterstrich sie im Solo von Pablo de Sarasates andalusischer Zigeunerweise, vor Höchstschwierigkeiten strotzend. Bei der zweiten Zugabe jagte sie dem vollen Haus mit Eugéne Ysayes Geigenmedidation Schauer über den Rücken.

Ohne Yang war es nach der Pause nicht leicht, Spannung aufzubauen. Aber die Bad Brückenauer demonstrierten bei Bohuslav Martinůs Serenade für zwei Violinen und Viola (1932) eigene Klasse. Die Besetzung ohne Cello erinnerte an Dvořák. Nach übermütigem Allegro ging es von ausgelassenen Klangimpressionen einer fröhlichen Abendgesellschaft zu ernsteren Tönen. Beim Allegro con brio konnte man an den Abmarsch der Gesellschaft denken, die auch mal ins Stolpern gerät und mit Not Haltung bewahrt.

Am Ende stand die weniger gespielte Sinfonie Joseph Haydns Nr. 90 C-Dur (1788) für dessen österreichischen Verehrer Fürst Oettingen-Wallerstein. Festlich erstrahlte sie in schlicht ergreifender Thematik. Die langsame Einleitung wies auf das Hauptthema, das spielerisch immer neu in den Vordergrund trat. Prächtig kontrastierten dabei Holzbläserpartien mit Tutti-Abschnitten. Beim Andante mit seinen Dur-Moll-Variationen und im Menuett spielten die Bläser eine besondere Rolle – bis ins Trio mit solistischer Oboe. Da fehlte nur noch Yang…

 

 

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