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OFFENBACH-POST – KULTUR
Von Eva Schumann

Dienstag, 19. Februar 2013

Auf Drehzahl bei Schumann
Johannes Kreisler Trio in Seligenstadt

SELIGENSTADT • Trios für Klavier und Streicher nahmen ihren Anfang als Hausmusik. So war der Jakobsaal, der den Hörern ohne drangvolle Enge die Nähe zu den Musikern ermöglicht, ein geeigneter Rahmen für das Konzert des Johannes Kreisler Trios. Es begann mit Beethovens zweitem Klaviertrio aus op.1, das 1794 im Hause des Fürsten Lichnowsky zum ersten Mal erklang. Das viersätzige Werk ist Kammermusik von jugendlicher Frische auf anspruchsvollem Niveau.

 

Pianist Holger Spegg, Geiger Christoph Schickedanz und Mathias Beyer-Karlshøj, der in Seligenstadt bestens bekannte Cellist des Henschel-Quartetts, vermochten dies genussvoll zu vermitteln. Ihre spritzige, auch die Tiefen des zweiten Satzes auslotende Interpretation machten Ausdrucksvielfalt und formalen Ehrgeiz des jungen Beethoven deutlich. Trotz weitgehender Gleichberechtigung der Stimmen hat das Klavier eine dominierende Rolle. Spegg erfüllte sie subtil, mit Anmut und ansteckender Spiellaune, drängte sich jedoch nicht in den Vordergrund. Dank der außerordentlich intensiven Kommunikation des Ensembles war die Klangbalance perfekt.

 

Eine reizvolle Entdeckung war die Triophantasie op. 63 von Ernst Krenek. Der 1990 in Wien geborene Schüler Franz Schrekers emigrierte nach den "Anschluss" Österreichs in die USA, wo er nach intensiver Lehrtätigkeit und umfangreichem, auch experimentellem Schaffen 1991 starb. Bald nach seinem größten Erfolg, der 1927 uraufgeführten Jazz-Oper "Jonny spielt auf", setzte er sich mit Schönbergs Zwölftontechnik auseinander. Die 1929 in Wien entstandene Triophantasie jedoch gibt sich trotz freier Tonalität noch spätromantisch. Schickedanz und Beyer-Karlshøj brachten die schmeichelnde Melodik der Soli und Dialoge mit schöner Kantilene zur Wirkung. Die Interpretation der unmittelbar ineinander übergehenden Sätze, im Mittelsatz in machtvoller Dramatik kulminierend, war sowohl einfühlsam als auch spannend.

 

Einen mitreißenden Schluss und Höhepunkt setzte das Ensemble mit Robert Schumanns erstem Klaviertrio op. 63, kraftvoll vorwärtsdrängend, mit weitgespannten Bögen und aufblühendem Ton musiziert. Bei aller Virtuosität, Leidenschaft und Differenzierung der Klangfarbe blieb das Klavierspiel klar und transparent. Die Streicher schienen erst richtig in ihrem Element zu sein. Stammt doch der Name des Trios aus der Hochromantik: E.T.A. Hoffmanns Kapellmeister Kreisler hat Pate gestanden. Als Zugaben folgten ein Allegro assai aus Mozarts B-Dur-Trio und das Andante aus einem Klaviertrio von Clara Schumann.

 

 

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