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Reber zieht in Basilika alle Register
(Quelle: Offenbach-Post)

Dienstag, 14. Juli 2015

Reber zieht in Basilika alle Register
Von Klaus Ackermann

SELIGENSTADT ■ Es gibt ein Leben nach Johann Sebastian Bach. Vor allem in der französischen Orgelmusik des 19. Und 20. Jahrhunderts, mit der Pascal Reber in Seligenstadts Einhardbasilika für Konzertstunden von hohem Neuigkeitswert sorgt. Auf der Wilbrand-Orgel erweist sich der Elsässer zudem als exzellenter Improvisator, dessen Fantasie kaum zu bremsen ist.

   Ein wuchtiger, orchestral anmutender Einstieg schon im „Dritten Choral a-Moll“, letztes Werk des Romantikers César Franck (1822-1890). Drei Tage lang hat sich der französische Top-Organist mit der Basilika-Orgel befasst und wartet schon im Eingangswerk mit großartigen Registerfarben und Mixturen auf, die im Abendlicht wundersam mit den bunten Kirchenfenstern des Gotteshauses korrespondieren,

   Eher diesseits gewandt ist das Scherzo aus der 2. Orgelsymphonie von Louis Vierne (1870-1937). Beschwört dieser Satz eine heitere Orgel-Szenerie mit impressionistisch zerfließenden Klängen und Figuren, aus denen sich ein fröhlicher Gassenhauer schält, so hört man im „Final“ aus der 3. Symphonie gar das Meer rauschen. Techniker und Klangtüftler Reber reguliert die großzügige Basilika-Akustik auch im „Prélude-Andante et Choral varié“ über den Lateinischen Hymnus „Veni creator spiritus“ von Maurice Duruflé (1902-1986), einem Alchemisten des Orgelklangs. Bei raffinierten Umspielungen nutzt der Solist sogar Raumklangeffekte in einer zutiefst meditativen Musik.

   Schon leicht angeschrägt und um einen Grundton kreiselnd: Jehan Alains (1911-1940) „Deuxieme Fantaisie für Orgel“ ist orientalisch inspiriert. Der Franzose zeigt Wege zur Neuen Musik auf. Mit eher gemäßigter Moderne ist Organist Reber im Bunde, dessen „Final“ aus dem Triptyque „Action de Grace“ die drei Manuale, das Pedalwerk und die 50 Register der Wilbrand-Orgel voll ausreizt. Ein Werk, das vielstimmig, in rhythmisch markanten, ja sogar bedrohlich wirkenden Passagen den Virtuosen fordert. Wie Rebers Improvisation über das Seligenstädter Wallfahrtslied – in himmlischer, aber angelegentlich auch höllischer Länge…

 

 

 

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