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Kostbarkeiten der Großmeister
Beim Klosterkonzert in der Basilika

Von Reinhold Gries(Quelle: Offenbach-Post)

14.07.2014

Kostbarkeiten der Großmeister
Beim Klosterkonzert in der Basilika

SELIGENSTADT ■ Mit Kostbarkeiten barocker Großmeister beschenkte Dirigent Nicolo Sokoli die Zuhörer beim Seligenstädter Klosterkonzert in der Basilika. Seinem exzellenten Vokalensemble Cantemus, der Sängerauswahl aus Rhein-Main und Mittelhessen und der Kammerphilharmonie Seligenstadt gelang mit Sopranistin Verena Gropper und Mezzosopranistin Nohad Becker sowie Cembalist Jorin Sandau ein großer Wurf.
   Mit Bravour ging man diffizile harmonische Fortschreitungen von Antonio Vivaldis venezianischem "Magnificat" (in Erstfassung von 1717) an. Nach feierlicher Magnificat-Akklamation gelang dem Chor das flehentliche "Et miserecordia" eindringlich, kontrastiert vom rhythmisch wuchtigen "Fecit potentiam" und grandiosen Unisono des "Deposuit potentes". Beckers Alt-Soli im "Et exultavit" und "Sicut locutus est" sparten ebenso wenig mit Koloraturen wie Groppers "Quia respexit"-Arie, bevor sich die Solistinnen zum hinreißenden Duett des "Suscepit Israel" zusammenfanden. Dass trotz weniger Proben bis zum Gloria samt Amen-Fugato alles wie aus einem Guss wirkte, war Folge eines sonnenklaren Dirigates.
   Von Vivaldi beeindruckt war auch Johann Sebastian Bach. Entsprechend viel hatte Sandau mit vollgriffigen Arpeggien und rasanten Läufen in Bachs 5. Cembalokonzert f-Moll zu tun. Nachdem Echomotive zwischen Streichern und Cembalo hin und her wanderten, hielt Darmstadts Regionalkantor die Filigranfiguren des Moderatos straff. Umso entspannter wirkte Sandaus kostbare Largo-Version in weitgeschwungenen Melodien und eleganten Verzierungen. Ähnlich tänzerisch wie sein Dialog mit dem Streicher-Pizzicato wirkten herrliche Kontraste des halsbrecherischen Presto.
   Überragend dargeboten wurde auch Georg Friedrich Händels 9-sätziges "Dixit Dominus" in g-Moll zu Psalm 110. Der Himmelsstürmer hatte es 17o7 in Rom als 22-Jähriger komponiert, heute ist es sein frühestes erhaltenes geistliches Werk und mit sein Bestes. Die spannungsreiche, zuweilen moderne Gesangsakrobatik war zu Beginn nicht weit von Händels "Messias" entfernt – und wirkte doch expressiver anders. Vokalisten und Streichern wurde nicht nur in ungewöhnlichen Effekten und Harmonien alles abverlangt, aber auch Chorsätze wie das "Iuravit Dominus" oder "Judicabit" wurden ungemein frisch und klar bewältigt. Dazu gelangen Becker im "Virgam virtutis" wie Gropper im "Tecum principium" betörend schöne Arien in feinfühligem Zusammenspiel mit Streichern und Continuo. Das steigerte sich noch im Sopranistinnen-Duett "De torrente" und phantastischen Chorstimmengeflecht des "Gloria Patri". Sokoli bewies hier, dass der junge Händel ähnlich Komplexes schuf wie Bach erst Jahre später in den großen Motetten.

 

 

 

 

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