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Flinker Spielortwechsel statt Abschiedssinfonie
Von Eva Schumann(Quelle: Offenbach-Post)

07.07.2014

Flinker Spielortwechsel statt Abschiedssinfonie
17. Streicherfestival endete mit erinnerungswürdigem Auftritt

SELIGENSTADT ■ Das Finale des 17. Streicherfestivals geht als besonderes Konzert in die Chronik ein. Nicht nur, weil hier zwei Jubilare fulminant miteinander musizierten, das zwanzigjährige Henschel Quartett und das dreißigjährige St. Petersburg Quartett. Das Wetter sorgte dafür, dass Schuberts C-Dur-Streichquintett beinahe zur Abschiedssinfonie geraten wäre. Mitten im zweiten Satz fielen Tropfen, und die Musiker verließen mit ihren wertvollen Instrumenten fluchtartig das Podium. Dank weiser Voraussicht und Vorarbeit Franz Preuschoffs und seines Teams, aber auch dank der Disziplin des Publikums war die Szene problemlos und innerhalb kürzester Zeit in die Basilika verlagert.

Ohnehin war das einmalige Schubertwerk Höhepunkt des Abends.  Unter der Führung von Daniel Bell hatte das Henschel Quartett, verstärkt durch den St. Petersburger Cellisten Leonid Schukajew, im Klosterhof mit einer spannenden Interpretation des Kopfsatzes begonnen. Packend wirkten die unheilschwangeren Anfangs-Dissonanzen und die prägnante, vorwärtsdrängende Durchführung, lichter schöner Klang verband sich mit Durchsichtigkeit des Satzes im vortrefflichen Zusammenspiel. In der Basilika setzte das Ensemble die abgebrochene Aufführung mit bewundernswerter Souveränität fort. Auf die Akustik des Kirchenraums vermochte es sich dank seiner Erfahrung sofort einzustellen. Die schmerzhafte Schönheit des Adagios, abrupt kontrastiert durch atemlose Synkopen, kam wunderbar zur Wirkung.

Das erste Streichsextett op.18 von Brahms konnte davor noch ungestört von Wetter-Unbilden im Freien gespielt werden, wohin es wegen seines lyrischen Charakters vorzüglich passt. Hier hatte das St. Petersburg Quartett seinen Auftritt. Der so kraftvollen wie berückend tonschönen Führung seiner Primaria Alls Aranowskaja ordneten sich auch Monika Henschel-Schwind a, zweiten Bratschenpult und der Henschel-Cellist Mathias Beyer-Karlshøj unter. Trotz unterschiedlichen Temperaments verstanden sie sich vortrefflich mit ihren jeweiligen Partnern, der leidenschaftliche Beyer-Karlshøj mit dem ruhigen Schukajew, die ausgeglichene Henschel-Bratschistin mit dem feurigen Boris Vayner. Alle Protagonisten, nicht zu vergessen der famose zweite Geiger Luiz Salazar Avila, führten bezaubernde Zwiegespräche, warfen sich fast ununterbrochen die Bälle zu, um sich dann zu betörendem orchestralen Vollklang zu vereinigen. Das Ensemble widmete sich der Melodienseligkeit des Sextetts mit großer Sanglichkeit ohne jegliche Sentimentalität. Ihm gelang eine klug gestaltete, ungeheuer souveräne Interpretation. Selbst das unüberhörbare Hupkonzert nach dem Fußballsieg nahmen die Musiker mit Humor. Mit dieser Aufführung haben sich die St. Petersburger bleibend in Erinnerung gebracht.

 

 

 

 

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