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von Eva Schumann

01.07.2019

Ansteckende Spielfreude
Finale des Kleinen Streicherfestivals in Seligenstadt

SELIGENSTADT ▪ Auch am zweiten Abend des Kleinen Streicherfestivals in Seligenstadt lag der Schwerpunkt auf der Romantik. Neben Robert Schumann kamen seine Vorbilder Mozart und Mendelssohn zu Wort. Bei Schumanns Streichquartett op.44,3 erfreute wieder das exzellente Zusammenspiel und die Fähigkeit des Henschel- Quartetts, eine Fülle kontrastierender Ideen und jähe Ausdruckswechsel zum großen Spannungsbogen zu verbinden. Wie so oft bei Schumann streiten sich in diesem Werk aus seinem "Kammermusikjahr" 1842 seine beiden "Ichs", der lebenslustige Flottesten und der melancholische Eusebius. Ein Höhepunkt war das Adagio, vom Ensemble als inniger, berührender Gesang dargeboten.


Bei den Streichquintetten gesellte sich der Bratscher Andreas Horchte zum Quartett. Am 1. Bratschenpult widmete Monika Henschel- Schwind in Mozarts C-Dur- Quintett von 1787 dem besonders liebevoll komponierten Part ihre noble, meisterliche Ausdruckskraft. Von Beginn an schufen die Dialoge der einzelnen Instrumente genussreiche Dramatik. Das nicht ganz stilgerechte Vibrato von Primarius Christoph Henschel schmälerte nicht die Vorzüge seines virtuosen Spiels und seiner energischen Führung.

 

Solistisch kam die 1. Geige besonders beim 2. Streichquintett op. 87 von Mendels- sohn zum Zuge, gemäß dem Wunsch des mit ihm be freundeten Stargeigers Ferdi- nand David nach „.stilo molto concertissimo". Das Ensemble interpretierte das brillante, zwischen Heiterkeit und Wehmut wechselnde Werk flexibel und. voll ansteckender Spielfreude, wobei auch herrichte, perfekt integriert und diesmal am 1. Bratschenpult, prägnante Impulse gab. Das begeisterte Publikum erhielt das Andante scherzando als Zugabe.

 

Sextette dominierten das Festival-Finale am Freitag. Dazwischen stellten die Henschels das Streichquartett Nr. 1 von Alberto Ginastera. Das 1948 entstandene Werk des Argentiniers basiert auf heimatlicher Musiktradition. Das Henschel-Quartett widmete sich der tänzerischen bis aggressiven Musik mit ihrer ostinaten Motorik, fremdartigen Effekten und Rhythmen kraftvoll und hinreißend.

 

Bei den' Sextetten von Brahms saß anstelle des neuen „Familien“-Mitglieds Gregory Maytan die Geigerin Elisa Gummer am 2. Pult, und der junge' japanische Cellist Takuro Okada spielte an der Seite von Mathias Beyer-Karlshøj. Mit ihren Partnern kommunizierten beide Gäste trotz·unterschiedlichem Temperament vorzüglich. Kontrapunktische Verarbeitung und Beherrschung der sechsstimmigen Textur sind der Höhepunkt im 2. Sextett op. 36, das Brahms mit Anspielungen auf eine Liebesgeschichte würzte. Oft in Verbindung mit dem Mittelstimmen-Klang, ist den Bässen reichlich Wirkung gegönnt, eine prächtige Chance für Beyer-Karlshøjs glutvolle Einsätze. Die Interpretation mit fein ausgearbeiteter Dynamik und voll Sanglichkeit war ein glänzendes Finale.

Das gefeierte Ensemble verabschiedete sich mit dem Scherzo.

 

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