Leonhard Colchon (1593-1653)

war von 1625 bis 1653 Abt des Benediktinerklosters Seligenstadt. Geboren am 5. März 1593 in Lüttich, entstammte er einer alten Juristenfamilie seiner Geburtsstadt. Sein Vater Johann war der Notar des Bischofs von Lüttich.

Nach dem Eintritt in die Benediktinerabtei S.Trond (Sint-Truiden in der heutigen belgischen Provinz Limburg) studierte er dort Philosophie und Theologie, wurde 1616 zum Priester geweiht und 1617 an der Kölner Universität immatrikuliert. Er erwarb dort den Grad eines Lizentiaten der Theologie, was dem Magister entsprach (mit Lehrbefugnis). Schon in dieser Zeit kam er mit der Bursfelder Benediktinerkongregation in Berührung, was später Bedeutung erlangen sollte. Er wohnte in deren Studienhaus und übernahm das Amt eines Subregens, d.h. er war in der Unterweisung und geistlichen Betreuung des Ordensnachwuchses tätig. Sein Ruf war auch nach Seligenstadt gedrungen, wohin er 1622 als Lektor der Philosophie und Theologie für den monastischen Nachwuchs berufen wurde. Abt Martin Krays hatte ihn sich erbeten. Schon bald wurde er Prior und am 21. November 1625 zum Abt gewählt. Nur einige wenige Konventualen hatten gegen ihn gestimmt, weil er "nit nationalis" sei, also ein Auswärtiger war.

Colchon genoss den Ruf "großer Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und Tatkraft". Er korrespondierte mit den Päpsten Urban VIII. und Innozenz X., mit Kaiser Ferdinand II. und bedeutenden Gelehrten seiner Zeit.
Das Amt des Abtes hatte er in schwerer Zeit übernommen. Im Jahr der Wahl wütete in Seligenstadt die Pest. Der Dreißigjährige Krieg zwang in wiederholt, in seiner Heimat Lüttich, seinem Professkloster S.Trond, in Frankfurt und Trier Zuflucht zu nehmen. Es gelang ihm, die ausgeraubte Klosterbibliothek neu auszustatten. Die Stadt hatte durch die Kriegswirren einen schweren Bevölkerungsverlust erlitten. Von ursprünglich 350 Familien waren nur noch fünfzig verblieben. Aus Franken, Tirol, dem Eichsfeld und nicht zuletzt aus des Abtes Lütticher Heimat - wohl auf seine Veranlassung - siedelten darauf zahlreiche Familien in der Stadt.

Weit über Seligenstadt hinaus Bedeutung erlangt hat Abt Leonard Colchon als Präsident der Bursfelder Kongregation, dem reformorientierten Zusammenschluss zahlreicher Benediktinerklöster. 1642 auf dem Generalkapitel in Koblenz gewählt, hatte er das Amt bis zu seinem Tode inne, "eine Anerkennung für sein rastloses Arbeiten und Sorgen um die Belange der Kongregation in der schwierigen Zeit des ausgehenden dreißigjährigen Krieges" (Deutsche Biographie). Sein Bemühen galt der Restitution zahlreicher Klöster auf der Grundlage des Restitutionsedikts von 1629 und nicht zuletzt dem Anliegen der Bursfelder Kongregation, die Ordensregel des heiligen Benedikt in ihrer ursprünglichen Reinheit zur Geltung zu bringen.
Gestorben ist Leonhard Colchon am 29.November 1653 nach einem Schlaganfall in Aschaffenburg, wohin er in Amtsdingen der Abtei gefahren und bei seinem Bruder Johannes, Kapitular und Kantor an der Stiftskirche St. Peter und Alexander, Quartier genommen hatte. Beigesetzt wurde er unter der Vierung der Basilika St. Marcellinus und Petrus in Seligenstadt, nach ihrem Erbauer auch Einhardbasilika genannt.

 

 

Quellen: Deutsche Biographie | www.deutsche-biographie.de
Hubert Post: Die Geschichte der Benediktiner-Abtei Seligenstadt | Die Äbte des Klosters Seligenstadt