Stadtportrait
Seligenstadt

 

Das stadtbildbeherrschende Bauwerk ist die Basilika St. Marcellinus und Petrus, nach ihrem Erbauer (830), dem Vertrauten und Biographen Karls des Großen, auch Einhardbasilika genannt. (Siehe auch unter Spielstätten).
Die Stadt ist ein Mittelzentrum in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main (Kreis Offenbach), hat rund zweiundzwanzigtausend Einwohner, liegt verkehrsgünstig mit Anschluss an die Autobahnen A 3 und A 45 an der Bahnstrecke Hanau-Eberbach (Odenwaldbahn) – ein Teil der Züge durchgängig bis Frankfurt / Hauptbahnhof, in Hanau Anschluss an die S-Bahn - und unweit des Flughafens Frankfurt.

Zu den zentralen Einrichtungen gehören u.a. das Amtsgericht, der Sitz der Sparkasse Langen-Seligenstadt, die Asklepios-Klinik (früher Kreisklinik), die Emma-Klinik, die Polizeistation für den Ostkreis, das Landschaftsmuseum des Kreises, das Regionalkantorat für die katholischen Dekanate Offenbach, Rodgau und Seligenstadt.
Dienstleister aller Sparten - Rechtspflege, Handel, Handwerk, Gastronomie - und ein breites sportliches Angebot sind in der Lage, hohe Ansprüche zu befriedigen.

Die Lage am Fluss, wertvolle historische Bausubstanz, ein gegliedertes Schulwesen bis zur Reifeprüfung (Gymnasium Einhardschule) und eine waldreiche Umgebung stärken den Wohnwert.
Dass eine schon 1744 gegründete Brauerei und eine 2000 hinzugekommene Hausbrauerei ansässig sind, ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein geschichtlich-kulturelles Datum.
Zahlreiche mittelständische Unternehmen auch der neuen Technologien und ein konzernangehöriges Unternehmen der Elektronikbranche runden das Bild.

Stadtrechte sind verbürgt seit 1175. Das Selbstbewusstsein der Bürger brach sich 1330 Bahn, als es gelang, dem Stadtregiment einen gewählten Bürgermeister hinzuzufügen.

 

875 hielt Kaiser Ludwig der Deutsche in Seligenstadt einen Fürstentag ab, 1188 Kaiser Friedrich I. Barbarossa einen glänzenden Hoftag.

1792 nahm Franz II, der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, auf der Reise zur Krönung in Frankfurt, in der Prälatur des Klosters Quartier.
1803 gelangte die Stadt aus kurmainzischer unter hessen-darmstädtische Herrschaft.
1965 besuchte Bundeskanzler Prof. Ludwig Erhard die Stadt und 1987 Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Rahmen einer Exkursion des Präsidialamtes mit Besichtigung der Brauerei Glaab. Im Sommer 2005 fand in der ehemaligen Benediktinerabtei eine gemeinsame Sitzung der Bayerischen Staatsregierung unter Ministerpräsident Edmund Stoiber und der Hessischen Staatsregierung unter Ministerpräsident Roland Koch statt. 2006 machte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrer Sommerreise in Seligenstadt halt uns speiste im Kloster. Am 22. August 2011 tat es ihr auf Einladung der hessischen Landesregierung in Gesellschaft nahezu des gesamten Kabinetts der Dalai Lama nach.

Wissenschaft und Kunst

Hans Memling

Von ihren Ursprüngen bis in die Gegenwart ist der Begriff „Kulturstadt“ - ohne dass er offiziell gebraucht wird - für das Gemeinwesen kennzeichnend.. Die Stadt geht zurück auf Einhard, den großen frühmittelalterlichen Gelehrten, Vertrauten und Biographen Karls des Großen, der u.a. die fränkische Siedlung Obermulinheim 815 von Karls Sohn Ludwig dem Frommen als Schenkung erhalten hatte, hier ein Kloster nach der Regel des Heiligen Benedikt begründete und die heute nach ihm benannte Wallfahrtskirche mit den aus Rom auf umstrittene Weise erworbenen Reliquien der frühchristlichen Märtyrer Marcellinus und Petrus (Stadt der Seligen!) auf und aus den Trümmern eines Limes-Kastells errichtete. Bis zu seiner Aufhebung 1803 war das Kloster ein weithin ausstrahlender Hort von Wissenschaft und Kunst.

Eine herausragende Figur in der Geschichte des Klosters war Abt Leonhard Colchon, geboren 1593 in Lüttich, verstorben 1653 in Aschaffenburg. Er war von 1642 bis zu seinem Tod Präsident der Bursfelder Kongregation, einer umfassenden Union von Benediktinerklöstern im Reich

Um 1433 wurde in der Stadt Hans Memling geboren, der als Maler der niederländischen Schule in Brügge zu Ruhm, Ehre und Bürgerrecht gelangte.

 

Neuere Forschungen geben Anlass, auch Mathias Grünewald als zeitweiligen Bürger der Stadt anzusehen. Er besaß sehr wahrscheinlich im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts eine Zweitwohnung in Seligenstadt, das zu jener Zeit einen kulturellen Höhepunkt erlebte (Achim Zöller). Ein enger Freund Grünewalds war der berühmte Seligenstädter Orgelbauer Arnold Rucker.

 

Auch die Buchdruckerkunst hat einen Vertreter, dessen Name mit Seligenstadt verbunden ist: „Johannes Herbort de Seligenstadt“ Drucker (Verleger) in Venedig (Biblia Latina von 1484) wurde hier geboren.
1872 erblickte der spätere Ehrenbürger Franz Boeres in Seligenstadt das Licht der Welt, der in Stuttgart (dort 1956 gestorben) als Maler und Gestalter von Industrieprodukten des Jugendstils Bedeutung erlangte.

 

Die Büchnerpreisträgerin Elisabeth Langgässer (1899-1950) hatte nach dem Lehrerinnenexamen 1919 ihre erste Anstellung an der Seligenstädter Volksschule, die sie 1929 in einer kurzen Selbstdarstellung als für sich wesentlich beschrieben hat.

 

Die Gegenwart

ist gekennzeichnet durch ein reiches bürgerschaftliches kulturelles Engagement. Zu nennen sind allein ein gutes Dutzend Gemeinschaften (Vereine und Gruppen), die den Chorgesang pflegen, darunter seit über 150 Jahren der "Chor an der Basilika". Seit einem Vierteljahrhundert existiert ein Verein, der das Landschaftsmuseum des Kreises, das im ehemaligen Benediktinerkloster sein Domizil hat, fördert und unterstützt.

 

Der Förderkreis Historisches Seligenstadt hat sich der Pflege des Stadtbildes, insbesondere des Schutzes der historischen Bausubstanz angenommen. Die Wiederherstellung der Klostermühle und die Sicherung der Reste des auf Friedrich I. Barbarossa und Friedrich II zurückgehenden staufischen Schlosses am Mainufer sind herausragende Leistungen. Der Verein unterstützt die Bemühungen der für die Klosteranlage zuständigen Staatlichen hessischen Schlösserverwaltung. Die Gartenanlagen der ehemaligen Abtei sind ein Besuchermagnet im ganzen Land.

 

1998 wurde auf Anregung und Betreiben des gebürtigen Seligenstädters Franz-Friedrich Neubauer († 2012) die "Einhard-Stiftung" errichtet. Der Publizist und promovierte Wirtschaftswissenschaftler war Professor emeritus des IMD in Lausanne.

Bei seinem Vorhaben hatte er die Unterstützung der Seligenstädter "Bruderschaft zum Steyffen Löffel" und einer beträchtlichen Zahl ihm freundschaftlich verbundener Personen gefunden, vornehmlich in seiner Heimatstadt, die das Stiftungskapital für den Start aufgebracht haben. Inzwischen sind zahlreiche Zustiftungen erfolgt. Die Stiftung vergibt zum Gedenken Einhards, des ersten bedeutenden nachantiken Biographen (Vita Karoli Magni), im zweijährigen Turnus einen mit € 10.000,- dotierten Preis für eine herausragende Biographie mit europäischem Bezug.

Den Preis erhielten 1999 Otto Pflanze † / USA für seine Bismarck-Biographie, 2001 Brian Boyd / Neuseeland für seine Beschreibung des Lebens Vladimir Nabokovs, 2003 Joachim C. Fest† für sein biographisches Lebenswerk unter Berücksichtigung der Arbeiten zu Albert Speer, 2005 Irène Heidelberger-Leonard für „Revolte in der Resignation“, die Biographie Jean Amérys, 2007 Eberhard Weis für die Biographie des bayerischen Staatsmannes Maximilian Graf von Montgelas, 2009 Margot Friedlander für ihre Autobiographie „Versuche dein Leben zu machen“ und 2011 Hugh Barr Nisbet (Cambridge) für seine Biographie Gotthold Ephraim Lessings, 2013 John C.G. Röhl für die Lebensbeschreibung Wilhelms II und 2015 Joachim Radkau für die Biographie des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss.

 

Das Kunstforum Seligenstadt e.V. widmet sich der Pflege der Gegenwartskunst mit Ausstellungen - besonders beachtet wird die sommerliche Skulpturenausstellung im Garten der ehemaligen Benediktinerabtei - Theateraufführungen, der Kleinkunst und Jazzkonzerten.

 

Der Kulturring Seligenstadt e.V. nimmt Aufgaben der Erwachsenenbildung wahr – Volkshochschule - und versteht die seit über vier Jahrzehnten veranstalteten Seligenstädter Klosterkonzerte als einen Beitrag dazu. Auch in der Fläche soll Musikinteressierten die Möglichkeit zum Genuss qualitätvoller Musik zu erschwinglichen Bedingungen gegeben werden.

 

 

Text: Franz Preuschoff März 2013

 

 

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