Seligenstädter
KLOSTERKONZERTE

Stadtporträt

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Stadtporträt Seligenstadt

Der Standort

Wappen der Stadt Seligenstadt Seligenstadt am Main, Mittelzentrum in der Metropolregion Rhein-Main (Kreis Offenbach) hat rund einundzwanzigtausend Einwohner, liegt verkehrsgünstig mit Anschluß an die Autobahnen A3 und A45 an der Bahnstrecke (Odenwaldbahn) Frankfurt - Hanau - Eberbach und unweit des Flughafens Frankfurt.

Zu den zentralen Einrichtungen gehören u.a. das Amtsgericht, der Sitz der Sparkasse Langen-Seligenstadt, die Polizeistation für den Ostkreis, das Landschaftsmuseum, die Asklepios-Klinik (ehemalige Kreisklinik) sowie eine chirurgische Privatklinik (Emma-Klinik), das Regionalkantorat für die katholischen Dekanate Offenbach, Hanau und Seligenstadt sowie die Musikschule Seligenstadt-Hainburg-Mainhausen.

Dienstleister aller Sparten ( Medizin, Rechts- und Wirtschaftsberatung, Architektur), Handel, Handwerk, Gastronomie und ein breites sportliches Angebot sind in der Lage, hohe Ansprüche zu befriedigen.

Dieses Bild basiert auf dem Bild Seligenstadt- Einhard-Basilika.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Maulaff.
Die Lage am Fluß, eine wertvolle historische Bausubstanz, ein gegliedertes Schulwesen bis zur Reifeprüfung (Gymnasium Einhardschule), ein reiches kulturelles Angebot und eine waldreiche Umgebung stärken den Wohnwert. Daß eine schon 1744 gegründete Brauerei und eine 2000 hinzugekommene Hausbrauerei ansässig sind, ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein geschichtlich-kulturelles Datum. Zahlreiche mittelständische Unternehmen auch der neuen Technologien und ein konzernangehöriges Unternehmen der Elektronikbranche runden das Bild.

Stadtrechte sind verbürgt seit 1175. Das Selbstbewußtsein der Bürger brach sich 1330 Bahn, als es gelang, dem Stadtregiment einen gewählten Bürgermeister hinzuzufügen. 875 hielt Kaiser Ludwig der Deutsche in Seligenstadt den Fürstentag ab, 1188 Kaiser Friedrich Barbarossa einen glänzenden Hoftag. 1792 nahm Franz II., der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, vor seiner Krönung in Frankfurt am Main in der Prälatur des Klosters Quartier. Wolfgang Amadeus Mozart soll mit dem gleichen Ziel die Stadt zumindest durchfahren haben. 1803 gelangte die Stadt aus kurmainzischer unter hessen-darmstädtische Herrschaft. 1965 besuchte Bundeskanzler Ludwig Erhard die Stadt und in den 80er Jahren Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Im Herbst 1970 sprach der Kanzler der ersten Großen Koalition (1966–1969), Kurt Georg Kiesinger als Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Union in Seligenstadt und rühmte noch vierzehn Jahre später die ihm beim anschließenden Beisammensein in der Mainterrasse von der Wirtin, Frau Volpert, servierten vorzüglichen Spätzle.

Im Juli 2005 tagten im Kloster das Bayerische Kabinett unter Ministerpräsident Edmund Stoiber und das Hessische unter Ministerpräsident Roland Koch gemeinsam. Im Juli 2006 besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrer Hessenreise Seligenstadt, trug sich in das Goldene Buch ein und speiste im Kloster.

Wissenschaft und Kunst

Erstausgabe der Vita Karoli, Köln 1521 mit Karl dem Großen und Karl V.Von ihren Ursprüngen bis in die Gegenwart ist der Begriff »Kulturstadt« - ohne daß er offiziell gebraucht wird - für das Gemeinwesen kennzeichnend. Die Stadt geht zurück auf Einhard, den großen mittelalterlichen Gelehrten, Vertrauten und Biographen Karls des Großen, der u.a. die fränkische Siedlung Obermulinheim 815 von Karls Sohn Ludwig dem Frommen als Schenkung erhalten hatte, hier ein Kloster nach der Regel des Heiligen Benedikt begründete und die heute nach ihm benannte Wallfahrtskirche mit den aus Rom auf umstrittene Weise erworbenen Reliquien der frühchristlichen Märtyrer Marcellinus und Petrus (Stadt der Seligen!) auf und aus den Trümmern eines Limes-Kastells errichtete. Bis zu seiner Aufhebung in der Säkularisation von 1803 war das Kloster ein weithin ausstrahlender Hort von Wissenschaft und Kunst.

Aus der Reihe ihrer Äbte ist besonders der 1593 in Lüttich geborene Leonhard I. Colchon (von Colson) zu nennen. Er hatte schon eine bemerkenswerte akademische Stellung an der Universität Köln (Lizentiat der Gottesgelehrsamkeit, Magister, Regens des Benediktinerseminars), als er 1621 als Lektor der Theologie vom Konvent in das Kloster Seligenstadt berufen wurde, wo er bald wegen seiner »großen Frömmigkeit und tiefen Gelehrsamkeitc« das Amt des Priors erhielt. In seine Zeit als Abt (1625-1653) fiel der Dreißigjährige Krieg, der Stadt und Kloster wiederholten Plünderungen und Brandschatzungen aussetzte, Colchon mehrfach zur Flucht zwang. Nach dem Krieg gelang es ihm, die durch die Plünderungen geleerte Bibliothek wieder mit wertvollen Büchern aufzufüllen. Er eröffnete die Klosterschule neu und erweckte im Kloster Seligenstadt ein Streben, ja eine Liebe und Begeisterung für die Wissenschaft (Hubert Post). Zum Ende des Dreißigjährigen Krieges war die Bevölkerung der Stadt von 350 auf nur noch 50 Familien reduziert. Auf Initiative Colchons wurden in seiner wallonischen Heimat zahlreiche neue Siedler angeworben.

Bedeutung weit über sein Seligenstädter Kloster hinaus kam ihm 1641 mit der Wahl zum Präsidenten der Bursfelder Kongregation zu. Aufgabe dieses Zusammenschlusses von in der Blütezeit rund hundertachtzig Benediktinerklöstern war es, der Ordensregel des heiligen Benedikt in ihrer ursprünglichen Strenge und Reinheit Geltung zu verschaffen. Die Reform durch die Kongregation - sie bestand von 1486 bis 1780 - gilt sowohl in religiös-sittlicher wie in wissenschaftlicher, künstlerischer und wirtschaftlicher Hinsicht als Erfolg. Mit den Päpsten Urban VIII. und Innozenz X., Kaiser Ferdinand II. und bedeutenden Gelehrten seiner Zeit pflegte er literarischen Kontakt.

Um 1433 wurde in der Stadt Hans Memling geboren, der als Maler der niederländischen Schule in Brügge zu Ruhm, Ehre und Bürgerrecht gelangte.

Neuere Forschungen geben Anlaß, auch Matthias Grünewald als zeitweiligen Bürger der Stadt anzusehen. Er besaß sehr wahrscheinlich im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts eine Zweitwohnung in Seligenstadt, das zu jener Zeit einen kulturellen Höhepunkt erlebte (Achim Zöller). Ein enger Freund Matthias Grünewalds war der berühmte Orgelbauer Arnold Rucker.

Auch die Buchdruckerkunst hat einen berühmten Vertreter, dessen Name mit Seligenstadt verbunden ist: Johannes Herbort de Seligenstadt - wie er in den Quellen bezeichnet wird - wurde hier geboren. Sein Wirken hat der Überlieferung zufolge 1475 in Padua begonnen. 1481 ging er nach Venedig, wo er neben Johannes de Colonia und Nicolaus Jenson zu einem der größten Drucker (Verleger) juristischer und theologischer Werke wurde. Etwa fünfzig Inkunabeln, d.h. Wiegendrucke aus der Frühzeit des Buchdrucks mit beweglichen Lettern bis zum 31. Dezember 1500, werden ihm zugerechnet.

1872 erblickte der spätere Ehrenbürger Franz Boeres in Seligenstadt das Licht der Welt, der in Stuttgart als Maler und Gestalter von Industrieprodukten des Jugendstils Bedeutung erlangte.

Die Dichterin und Büchnerpreis-Trägerin (postum) Elisabeth Langgässer (1899-1950) hatte 1919 ihre erste Stelle an der Seligenstädter Volksschule. In einer Selbstcharakterisierung von 1929 schrieb sie: ...Es ist unwesentlich, daß ich mit 9 Jahren nach Darmstadt kam und hier das Lehrerinnenexamen absolvierte - wesentlicher meine erste Anstellung in dem alten Einhardstädtchen Seligenstadt a. Main.

Die Gegenwart

ist gekennzeichnet besonders durch ein reiches bürgerschaftliches kulturelles Engagement. Zu nennen sind allein ein Dutzend Gemeinschaften (Vereine, Gruppen), die den Chorgesang pflegen, darunter seit über 150 Jahren der »Chor an der Basilika«.

Der »Verein zur Förderung des Landschaftsmuseums Seligenstadtc« trägt seine Aufgabe im Namen. Das Museum hat sein Domizil im ehemaligen Benediktinerkloster.

Der »Förderkreis Historisches Seligenstadt« hat sich der Pflege des Stadtbildes, insbesondere des Schutzes der historischen Bausubstanzen angenommen. Die Wiederherstellung der Klostermühle und die Sicherung der Reste des auf Friedrich I. Barbarossa und Friedrich II. zurückgehenden staufischen Schlosses am Mainufer sind herausragende Leistungen. Er unterstützt die Bemühungen der für die Klosteranlage zuständigen Staatlichen hessischen Schlösserverwaltung. Die Gartenanlagen der ehemaligen Abtei sind ein Besuchermagnet im ganzen Land. Die »Bruderschaft zum Steyffen Löffel« hat u.a. die Gründung einer Bürgerstiftung - »Einhard-Stiftung« - veranlaßt, welche zum Gedenken Einhards, des ersten nachantiken bedeutenden Biographen, alle zwei Jahre einen mit € 10.000,- dotierten Literaturpreis nach einem Votum des international besetzten Fachkuratoriums (Jury) für eine herausragende Biographie mit europäischem Bezug vergibt, der sich bereits nach fünfmaliger Vergabe (1999 an Otto Pflanze / USA für seine Bismarck-Biographie, 2001 an Brian David Boyd / Neuseeland für seine Beschreibung des Lebens Vladimir Nabokovs, 2003 an Joachim C. Fest für sein biographisches Lebenswerk unter Berücksichtigung der Beschreibung Albert Speers, 2005 an Irène Heidelberger-Leonard für die Lebensbeschreibung Jean Amérys und 2007 an Eberhard Weis für die Biographie des bayerischen Staatsmannes Maximilian Graf von Montgelas in der Fachwelt eines hohen Ansehens erfreut.

Das Kunstforum Seligenstadt e.V. widmet sich der Pflege der Gegenwartskunst mit Ausstellungen, - besonders beachtet wird die jährliche Skulpturenausstellung im Garten der ehemaligen Benediktinerabtei - Theateraufführungen, der Kleinkunst und Jazzkonzerten. Der Kulturring Seligenstadt und Umgebung e.V. nimmt Aufgaben der Erwachsenenbildung wahr (Vhs)und versteht die seit Jahrzehnten veranstalteten Seligenstädter Klosterkonzerte als einen Beitrag dazu. Auch in der Fläche soll Musikinteressierten die Möglichkeit zum Genuß qualitätvoller Musik zu erschwinglichen Bedingungen gegeben werden. Besonders geschätzt wird vom Publikum das Ambiente der ehemaligen Abtei, so die sommerlichen Freiluftkonzerte im Kreuzgang und auf der Terrasse im Konventgarten, aber auch in der ehemaligen Abteikirche, der heutigen Pfarrkirche und päpstlichen 'basilica minor' St. Marcellinus und Petrus, nach ihrem Erbauer (830) auch Einhardbasilika genannt. Sie verfügt über eine allseits gelobte Akustik und mit der Wilbrand-Orgel (50 Register) über ein von den Organisten hochgeschätztes Instrument.

Einen besonderen, weitreichenden Ruf hat seit über einem Jahrzehnt im Rahmen der Klosterkonzerte das »Kleines Streichesfestivalc«, dessen künstlerischer Gastgeber das Münchner Henschel-Quartett ist. Mit einem wechselnden Gastensemble wird ein dreitägiges, gemeinsam erarbeitetes Programm dargeboten. Nicht zuletzt sind die im Rahmen der Klosterkonzerte durchgeführten großen kirchenmusikalischen Aufführungen des Regionalkantorats zu nennen, für die der bekannte Chorleiter, Organist und Komponist Thomas Gabriel als Regionalkantor verantwortlich zeichnet.

Aus jüngerer Zeit ist das Ende September 2008 in Seligenstadt durchgeführte zweite - nach Michelstadt 1996 - Einhard-Symposium zu nennen, bei dem unter der Leitung von Dr. Hermann Schefers (Lorsch) die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, die Stadt Seligenstadt, die Einhardarbeitsgemeinschaft e.V. und die Einhard-Stiftung zusammengewirkt haben. Siebzehn Fachgelehrte aus Deutschland, der Schweiz und Belgien haben unter großer Publikumsbeteiligung Vorträge gehalten und sich über den aktuellen Forschungsstand zu Einhard ausgetauscht. Krönung der Tagung war die Ausstellung des »Seligenstädter Evangeliarsc«, eine vermutlich im Kloster Lorsch gefertigte Handschrift, die bei der Auflösung des Kloster 1803 in den Besitz des Großherzogs in Darmstadt überging und heute zum Bestand der dortigen Landesbibliothek zählt.

Franz Preuschoff, Dezember 2008

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen über Seligenstadt finden Sie hier:

Einen aktuellen Stadplan finden Sie u.a. auf der Homepage der Stadt Seligenstadt. Ebenfalls haben wir auf einer gesonderten Seite Informationen zur Anfahrt nach Seligenstadt zusammengetragen.

Plan des historischen Stadtkerns


  1. Barocke Fachwerkhäuser und Rathaus von 1823
  2. Einhardhaus von 1596
  3. »Stumpfaul«, Wehrturm von 1462
  4. Alte Poststation von 1692
  5. Fachwerkhaus von 1428 und Gartenportal des Klosters
  6. Not-Gottes-Kapelle mit Barockportal der Abteikirche
  7. Wehrturm und Stadtmauer; Wanderweg zur Wasserburg
  8. Einhardbasilika
    Baubeginn 830 unter Einhard (Eginhard), dem Vertrauten und Biographen Karls des Großen, mit den Gebeinen der Heiligen Marcellinus und Petrus und dem Sarkophag Einhards und seiner Gemalin Imma
  9. Ehemalige Benediktinerabtei (Gärten, Museen, Klostermühle)
  10. Freihof mit erstem städtischen Schulhaus von 1713
  11. Fachwerkhäuser der Wende des 15. zum 16. Jahrhundert
  12. Fachwerkhäuser der Wende des 15. zum 16. Jahrhundert
  13. Fassade zur Stauferpfalz
    - Baubeginn unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa,
    Fortführung unter Friedrich II. -
  14. Steinheimer Torturm, 1603 von Georg Riedinger gebaut
  15. Romanisches Steinhaus vom Ende des 12. Jahrhunderts

Die Orgel der Einhardbasilika zu Seligenstadt

Die Orgel in der ehemaligen Abteikirche zu Seligenstadt, der heutigen Pfarrkirche St. Marcellinus und Petrus - nach ihrem Erbauer auch Einhardbasilika genannt - ist ein zwar junges, gleichwohl respektheischendes Instrument. Die Basilika aus Sicht des KlostergartensMarcellin Spahn, im Ruhestand lebender Pädagoge und langjähriger ehrenamtlicher Stadtarchivar, ist in seiner 2000 erschienenen Schrift der »Geschichte der Orgeln in der Pfarrkirche ›Unserer Lieben Frau‹ auf dem Friedhof und in der Abteikirche ›St. Marcellinus und Petrus‹ zu Seligenstadt« nachgegangen.

Wann die erste Orgel in der Basilika nachgewiesen werden kann, ist nicht bekannt. Es wird berichtet, daß im 30-jährigen Krieg Soldaten Orgelpfeifen aus dem Instrument gerissen haben und auf ihnen blasend durch die Gassen gezogen sind oder Musketenkugeln daraus gegossen haben.

1692 erhielt die Basilika unter Abt Franziskus I Hoffmann ein großes Orgelwerk im Westteil des Langhauses, gebaut von dem »berühmten Orgelmacher Johann Friedrich Wender, Bürger der Stadt Mühlhausen in Thüringen. mit seinem Gesellen Valentin Merkard aus Hessen«. Wender wurde von Johann Sebastian Bach hoch geschätzt. Nach der Säkularisation 1803 mit der Aufhebung des Klosters wurde mit der Basilika auch die Orgel baufällig. 1812 wurde das Gotteshaus Pfarrkirche und 1825 die Orgel zur Tausendjahrfeier der Abtei restauriert. 1851 versagte das Instrument während eines Hochamtes. In den folgenden Jahren wurde es verschiedentlich »geflickt«. 1868 begannen die Arbeiten der vollständigen Erneuerung des Westportals der Kirche mit zwei neuen Türmen, eine bis in unsere Tage umstrittene Maßnahme.

Der Orgelbauer Schlimbach in Würzburg wurde mit der Lieferung eines neuen Werkes beauftragt. Die Arbeiten dauerten bis 1877. Nach weiteren drei Jahren - wegen der andauernden Innenarbeiten in der Kirche - wurden die Teile per Schiff angeliefert. 1879 wurde die Logo OrgelOrgel feierlich eingeweiht. Im 1. Weltkrieg wurden 1917 nicht nur drei Glocken von den Türmen zum Einschmelzen geholt, sondern auch etliche Pfeifen mußten geopfert werden. 1924 wurde der Verlust zur Feier des 1100-jährigen Jubiläums der Abtei und der Kirche von der Firme Schmidt in Gelnhausen durch Eibau vier neuer Register ausgeglichen.

1937 begann unter Dr. Otto Müller die umfassende bauliche Wiedergewinnung des karolingischen Raumbildes im Innern der Kirche, die 1953 abgeschlossen wurde. Ende der siebziger Jahre wurde dann unter Pfarrer Paul Kammerling die Firma Wilbrand in Ubach-Palenberg bei Aachen beauftragt, die Orgel so umfassend zu restaurieren, daß es einem neuen Werk fast gleichkam. Neun Register konnten übernommen werden. Am Ende stand nach dem Entwurf von Prof. E.Heyne und H. Wilbrand eine große Orgel mit 49 Registern, einer mechanischen Spieltraktur und 16-facher Setzerkombination. Am 6. Dezember 1981 wurde sie mit einem Gebet und einem Konzert des Kirchenmusikers Franz Josef Franzen aus Erkelenz eingeweiht. Großes Lob fand das Klangbild der neuen Orgel, die neben ihrem liturgischen Hauptzweck die künstlerische Interpretation von Musik aller Epochen zuläßt. Weltberühmte Vertreter ihres Fach gaben in den Folgejahren ihre Visitenkarte ab (genannt in zeitlicher Reihenfolge), u.a.: Margaret Philipps (London), Lionel Rogg (Genf), Edgar Krapp (Frankfurt), Matthias Eisenberg (Leipzig), Günther Kaunzinger (Würzburg), Martin Lücker (Frankfurt), Jean Guillou (Paris), Daniel Roth (Frankfurt und Paris), Bernhard Marx (Freiburg), Massimo Nosetti (Turin), Marie Claire Alain (Paris), Peter Planyavsky (Wien).

Dem Lob des Klangbildes folgte regelmäßig eine Kritik an der Schwergängigkeit der Traktur. Prof. Günther Kaunzinger, selbst auch im Orgelbau erfahrener Virtuose - u.a. wurden die große Orgel der Stiftsbasilika Waldsassen, der Pfarrkirche in Helmstadt bei Würzburg, der Musikhochschule Würzburg und der ehemaligen Klosterkirche St. Anna in Gotteszell von ihm geplant - machte 1991 nach einem Gespräch im Anschluß an sein Konzert in einem Brief Herrn Dipl.-Kfm. Erhard Glaab, Verwaltungsrat der Basilikapfarrei, auf aus seiner Sicht notwendige Maßnahmen aufmerksam.

Mit einem Benefizkonzert im Rahmen der Klosterkonzerte - dem weitere folgten - legte er 1996 den Grundstein für eine Initiative, die sich unter Führung des Kulturringes Seligenstadt als Veranstalter der Klosterkonzerte die Sammlung von Mitteln für die Sanierung zum Ziel setzte.
Eine Reihe von Bürgern baten bei ihren runden Geburtstagen um Spenden für die Orgel an Stelle von Geschenken. Durch eine Vielzahl von privaten und institutionellen Spendern (u.a. Sparkasse Langen-Seligenstadt, Rotary Club, Lions Club, KV-Ortszirkel) kam ein erklecklicher Betrag zusammen, welcher der Kirchengemeinde die Entscheidung erleichterte, zumal Pfarrer Dieter Ludwig schon bald nach seinem Amtsantritt die Notwendigkeit einer umfassenden Ausreinigung der Orgel erkannt hatte. Nach dem starken bürgerschaftlichen Engagement und dem der Pfarrgemeinde bewilligte die Stadt Seligenstadt entsprechend ihrer langjährigen Übung einen Zuschuß von zehn vom Hundert.

Der Sachverstandige der Diözese Mainz, Domorganist Dan Zerfaß (Worms), Prof. Kaunzinger für den Freundeskreis und Regionalkantor Thomas Gabriel waren sich über den Umfang der erforderlichen Arbeiten schnell einig. Auf Kaunzingers Vorschlag wurde ein fünfzigstes Register »Sesquialtera« eingeplant, das für die Interpretation der ihm besonders am Herzen liegenden französischen Orgelliteratur bedeutsam ist. Der Auftrag wurde an die Firma Orgelbau Hugo Mayer in Heusweiler vergeben, die zu Beginn des Jahres 2000

Am Vorabend des Palmsonntags, am 15. April 2000 weihte der Mainzer Domkapitular Dr. Werner Guballa das überarbeitete Werk ein, die ersten Konzerte spielten Dan Zerfaß am 16. April und Prof. Günther Kaunzinger am 6. Mai 2000. Ein Geschenk des Himmels; nannte die Orgelsanierung Thomas Gabriel, der seit 1999 an der Basilika amtierende Regionalkantor für die katholischen Dekanate Offenbach, Rodgau und Seligenstadt. Der vielseitige Organist, Chorleiter und Pädagoge hat es schon vielfach genutzt. Neue Wege hat er bei der landesweit beachteten Kombination von Orgel und Licht beschritten, Orgelmusik, bei der die Basilika mit einem Lichtdesign mit einer neuen Generation von Scheinwerfern; in ein ungewohntes Bild gesetzt wurde.

Die Orgel der Einhardbasilika ist jetzt in einer Verfassung, die sowohl höchsten liturgischen Ansprüchen als auch Konzerten auf Spitzenniveau gerecht wird.

Franz Preuschoff